Zeit ist Held
// interaktive Ausstellung

Konzept
Art direction

Exponatentwicklung
Kommunikationsdesign
Ausstellungsdesign & Kuration
Text

begleitende wissenschaftl. Thesis
zur Relevanz des Raums

Ausstellung u.A. im
Ars Electronica Center

Wo bleibt die Zeit zwischen Leben und Sterben? Wer beherrscht sie und wie wichtig ist sie für mich und meine Mitmenschen? Das Verhältnis zwischen dem Streben nach Glück und dem eigenen Umgang mit der Zeit bildet den inhaltlichen Kern der interaktiven Ausstellung »Zeit ist Held«.

Natürliche periodische Phänomene wie Tag und Nacht, Ebbe und Flut oder Jahreszeiten ermöglichten Menschen ihre Zeit zu strukturieren und das eigene Leben danach auszurichten. Schleichend jedoch wurde von Kulturen und Institutionen ein Netz aus Kalendern und Plänen errichtet und Veränderungen in der Natur sind nur mehr ein geringer Teil der persönlichen Zeitempfindung. Diese Strukturen und Zwänge – in Verbindung mit einer kapitalistischen Gesellschaft – fördern aktuelle Themen wie Stress, Unaufhaltsamkeit der Zeit, Monotonie im Leben oder das dauernde Aufschieben von Aufgaben. Den richtigen Umgang mit den uns auferlegten Zeitstrukturen zu finden, scheint eine der erstrebenswertesten Fähigkeiten der Gegenwart zu sein – denn Zeit ist Held.

Unsere beschleunigte Gesellschaft und das fortwährende Streben nach Glück bedarf einem bewussten Umgang mit der knappen Ressource Zeit. Die gesellschaftliche Relevanz und Aktualität des Projektes ergibt sich aus der Unmöglichkeit des Einzelnen sich dem Umstand der verrinnenden Zeit zu entziehen.
Dieser sozialkritische Beitrag versucht durch die geschickte Kombination aus visueller Ästhetik, interaktiven Elementen und nützlichen Informationen zum Thema Zeit einen selbstreflexiven Prozess und ein Umdenken der BesucherInnen anzuregen.

Corporate Design

Gestaltung einer umfangreichen CI von Logo, Poster, Flyer, Einladungskarten, Website, Visitenkarten, Briefvorlagen, T-Shirt bis zum Ausstellungsdesign.

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ZEIT IST HELD // Ausstellung

DIE WERKE

Zeitstrukturen

Zeitstrukturen
– natürlich und kulturell

»Die Götter mögen den Mann verwünschen, der zuerst herausfand wie sich die Stunden unterscheiden lassen. Mir zu schneiden und zu zerhacken scheußlich meine Tage in kleine Fetzen.«
– Titus Maccius Plautus

Wiederkehrende Erscheinungen wie Tag und Nacht, Ebbe und Flut oder auch die Jahreszeiten ermöglichten dem Menschen, sich in der Zeit zu orten. Kulturen und Institutionen errichteten langsam ein Netz aus Kalendern und Plänen, sodass diese selbst errichteten Strukturen heutzutage die Zwänge unserer persönlichen Zeitempfindung bilden. Versuche, dem ungreifbaren Begriff »Zeit« eine Form zu geben, ließen individuelle Zeitkonzepte entstehen, die ganze Kulturräume prägen.

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LaternenanzünderUnendliche Sonnenuntergänge

Die niemals stillstehende Sonne zieht Tag und Nacht wie einen Vorhang über unsere Welt. Seit jeher richtet der Mensch sein Leben an den natürlichen, periodischen Phänomenen aus, um seine Zeit zu strukturieren. Heutzutage sind die Veränderungen in der Natur nur mehr ein geringer Teil persönlicher Zeitempfindung.
Das Webcam-Panorama visualisiert das Bestreben der Menschheit, eine globale Gleichzeitigkeit zu erreichen.
In Echtzeit wird hier die gesamte Welt auf einen Blick präsentiert. Tages- und Nachtzeiten existieren nebeneinander und können interaktiv im Zeitraffer gesteuert werden.

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ZeitbilderDas Zeitverständnis im Wandel

Die Zeit begleitet unaufhaltsam unser Leben. Um dem ungreifbaren und unsichtbaren Gefährten eine Kontur zu geben und ein Verständnis hierfür zu erlangen, entstanden verschiedene Vorstellungen vom Ablauf der Zeit: zyklisch wiederkehrend, linear einem Ende zulaufend und wie Atome zerteilt.
Das Zeitverständnis veränderte sich mit den kulturellen und technologischen Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Trotz dieser Chronologie folgen sie dennoch nicht strikt aufeinander, sondern bestehen ebenfalls zeitgleich. Da individuelle und kulturelle Faktoren unser Verständnis der Zeit prägen, existiert kein globales Zeitkonzept.

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Zug der ZeitZug um Zug zur synchronisierten Zeit

Vor dem Aufkommen der Eisenbahn im 19. Jahrhundert galt an einem Ort die jeweils lokale Echtzeit. Erst mit einer Zunahme der Mobilität und vor allem durch die überregionalen Zugverbindungen wurde eine weltweit einheitliche Uhrzeit definiert. Heute gilt die UTC (Universal Time Coordinated) als Weltzeit. Ihr Nullmeridian geht durch den englischen Ort Greenwich, der heutzutage Ausgangspunkt aller Zeitzonen der Erde ist.
Der Zug der Zeit greift modellhaft die durch den menschlichen Fortschritt bedingte Synchronisation der Zeit auf. Versteckt bildet er den Mechanismus, der ein globales Miteinander erst ermöglichte.

Zeitempfindung

Zeitempfindung
– spürbar und erlebbar

»Was ist das für eine Regel? Je mehr zeitsparende Maschinen es gibt, desto mehr steht der Mensch unter Zeitdruck.«
– Sebastian de Grazia

Die kulturellen Strukturen und Zwänge fördern in Verbindung mit der heutigen Gesellschaft aktuelle Themen wie Stress, das Gefühl der Unaufhaltsamkeit der Zeit, Monotonie im Leben oder das ständige Aufschieben von Aufgaben. Mit geteilter Aufmerksamkeit eilen wir gehetzt durch das Projekt »Leben« und passen uns dabei der Geschwindigkeit unseres Umfeldes an.

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Stimmen zur ZeitExperten, Beobachter und Medien sprechen über die Zeit

Gespräche, Geschichten und persönliche Gedanken berichten über den Charakter der Zeit. Sogar Google äußerst sich aus Sicht eines Knotenpunktes der digitalen Medien.
Gleichzeitig wird mit dem Werk die Möglichkeit des Verweilens geboten – BesucherInnen sollen das Werk für ein Experiment nutzen: Können sie sich in Ruhe auf die Stimmen konzentrieren? Denn ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, scheint in unserer parallelisierten Welt eine fast verloren gegangene Eigenschaft zu sein. Monotasking statt Multitasking – Überwindung der aufgezwungenen Gleichzeitigkeit.

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LebenstempoDein Lebenstempo im Vergleich zu anderen Ländern

Die Geschwindigkeit, in welcher wir unseren Alltag und das Leben durchwandern, ist von Kultur und Geografie bestimmt. Laut dem amerikanischen Psychologen Robert Levine, wird das Lebenstempo durch je fünf zentrale Faktoren maßgeblich beeinflusst: Klima, Ökonomie, Industrialisierung, Population und kulturelle Werte.
Das generative Werk bietet die Möglichkeit, das eigene Lebenstempo auf abstrakte Weise anderen Ländern gegenüberzustellen. Im zentralen Blickfeld befinden sich die BetrachterInnen, die umgeben von der Visualisierung des ausgewählten Landes sind.
Je höher die Übereinstimmung des Lebenstempos von BesucherIn und Land ist, desto mehr verschwimmen die Grenzen.

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Leben im LadebalkenStillstand im Rad der Ruhelosigkeit

Die Wartetoleranz unserer beschleunigten Gesellschaft ist gegen null gesunken. Doch selbst im digitalen Alltag begleiten uns Warteprozesse – einem Ort der Schnelligkeit, an welchem kein Platz für verlorene Sekunden bleibt.
Leben im Ladebalken greift das Wartesymbol des Apple-Betriebssystems auf, das erst aus der Ferne ersichtlich wird. Den einzelnen Pixeln werden jeweils ein Arbeitsprozess des Computers und die hierfür in Anspruch genommene Zeit zugewiesen. Aus der Nähe erkennt man die 312 Wartesituationen, die vom digitalen Raum auf 312 Karton-Pixel in die reale Ausstellung übertragen wurden.

In einem Selbstexperiment wurden 10 StudentInnen dazu aufgerufen, das Warten am Computer bewusst zu erleben. Das Wartesymbol des Apple-Betriebssystem wurde auf zwei 2×2 m skaliert. Die daraus resultierenden 312 vergrößerten Pixel dienten als Dokumentationsblätter der einzelnen Wartesituationen.

Zeitgestaltung

Zeitgestaltung
– bewusst und formend

»Der größte Erfolg des Zeitgeistes: Alle haben Uhren – niemand hat Zeit.«
– Ernst Ferstl

Die Strukturierung der persönlichen Zeit liegt in großen Teilen in unserer Eigenverantwortung. Jedoch bedeutet es nicht nur Freiheit, sondern bedingt ein Bewusstsein für einen sinnvollen Einsatz. Unser Verhältnis zur Zeit wird von der Gesellschaft immer wieder hinterfragt und zeichnet unseren eigenen Charakter. Wie gestalten wir den einzelnen Tag, eine Woche, ein Jahr oder einen ganzen Lebensabschnitt?

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EilkrankheitZeitdruck als Lebenseinstellung

Zeitliche Strukturen und gesellschaftliche Zwänge fördern aktuelle Themen wie Stress und das Gefühl der Unaufhaltsamkeit der Zeit. Den richtigen Umgang mit den uns auferlegten Zeitstrukturen zu finden, scheint eine der erstrebenswertesten Fähigkeiten der Gegenwart zu sein. Laut den Psychologen Diane Ulmer und Leonhard Schwartzburd birgt die Diagnose der Eilkrankheit ernst zu nehmende Gefahren, vor allem für das Herz-Kreislauf-System. Soziale Beziehungen sowie das Selbstwertgefühl werden bei den betroffenen Personen ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.
Das Protokoll zur Aufnahme des Zeitverhaltens gibt die Möglichkeit das persönliche Verhältnis zur Zeit festzustellen. Mit Stempel und Unterschrift werden die eigenen Aussagen zu rechtsgültigen Einsichten.

Auf einem Tisch liegen vier gleiche Blöcke mit Durchschlag zum Ausfüllen bereit. Nach dem Ausfüllen kann das Formular noch unterschrieben und mit einem eigens angefertigten Stempel abgestempelt werden. Das Original darf mitgenommen werden, der Durchschlag kann auf die vorgesehenen Clips gehängt werden.

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WeltsekundeDas Weltgeschehen im Sekundentakt

Eine einzige Sekunde – ein scheinbar unwichtiger Bruchteil der Zeit, der dennoch bedeutende Auswirkungen hat. Überfüllt mit Ereignissen begründet jede Sekunde die Geschichte unserer Welt.
Vier Flipbooks bieten die Möglichkeit, die Fakten einer Art globalen Momentaufnahme zu erkunden. Den Informationen gleich, flippen die Seiten vor dem Auge vorbei. Über ein Frage-Antwort-Spiel zu Umwelt, Internet, Technologie und Mensch, wird das Vorstellungsvermögen auf die Probe gestellt.

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Momente und ErdbeerenJeder Moment ist kostbar

Ein Mönch geht eines Tages auf einem Hochplateau spazieren. Plötzlich hört er in einiger Entfernung hinter sich einen gefährlich fauchenden Tiger, der auf ihn zukommt. Um dem Tier zu entkommen, läuft er, so schnell er kann, rennt aber geradewegs auf einen Abgrund zu. In seiner Not drückt sich der Mann an den äußersten Rand und kommt dabei ins Rutschen. Im letzten Moment kann er sich noch an einer Wurzel festhalten. Doch über ihm der Tiger, unter ihm der Abgrund, es gibt kein Entkommen. Da erblickt der Mann direkt vor seinen Augen eine wilde Erdbeere. Er pflückt sie, nimmt sie in seinen Mund und murmelt: »Wie köstlich, diese Erdbeere.«

Wenn man im Augenblick lebt, sind Vergangenheit und Zukunft unbedeutend.

Die fünf Werke zeigen die persönliche Suche nach einem Erdbeermoment. Die visuelle Arbeit wird auditiv und mit einem Beschreibungstext begleitet, um innerhalb der Ausstellung noch tiefer in den Moment eintauchen zu können.

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